Urlaub in Kapverde Tag 21-24

Veröffentlicht am 15. March 2007.

Santiago
Di, 13.3.

Flo´s Nacht ist um 4 zu Ende, entsprechend sieht es mit unserer Laune aus. Trotzdem ist heute gut Programm. Wolf kommt zum Mittagessen vorbei, wo es wieder ein leckeres vegetarisches Gericht von Christino´s Hand (der sich selbt nur für Flo, Reis und Fleisch zu interessieren scheint) gibt, danach sind wir bei Cedalia zum Nachtisch eingeladen. Claudia und ihr Freund Alfama kommen auch mit. So gehen wir erstmal in die Bäckerei, Küchlein kaufen. Das dauert ewig, weil die Verkäuferin erst alle Küchlein einpackt, dann wieder auspackt, dann wieder einpackt und - ja - wieder auspackt, um dann entlich den Preis nennen zu können. Dannach gehen wir zu Claudia, die ein winziges Zimmer in einer kleinen Seitenstraße bewohnt. Claudia und ihr Freund fahren mit dem Bus, wir nehmen ein Taxi. Guter Kompromiss, denn weder passen 6 Personen in ein Taxi, noch nimmt der Bus unseren Hund Max mit. Cedalia wohnt in einem sehr abgelegenen und ärmlichen Teil Praias, fast würde ich sagen in einem Slum. Aber wir werden aufs Herzlichste empfangen, die Wohnung ist sehr klein, aber sauber und ordentlich und man sieht wie sie sich bemüht, es dem Besuch (mit Erfolg!) so angenehm wie möglich zu machen. Dazu gehört nach kapverdischer Auffassung auch ein laufender Fernseher, außerdem ist die Wohnung mit allerlei Spitzendeckchen (selbstgemacht) und Porzellandeko gefüllt. Es wird ein sehr netter Nachmittag und nach dem Kuchenaufessen wandern wir nach Portinha, einer kleinen, grünen, palmenbewachsenen und furchtbar idyllischen Bucht. Und dort kann man sogar baden, was wir beiden ausgiebig ausnutzen. Na ja, zumindest solange wie das Baby es bei Claudia und ohne Brust aushält. Wir wandern noch etwas am Strand auf und ab, Max holt begeistert irgendwelche Stöckchen,

Strand

Sita Claudia kuschelt mit ihrem Freund, Wolf sitzt auf den Felsen und am Ende des Ausflugs sind alle glücklich und zufrieden. Unser Rückweg führt uns durch eine felsige Piste gesäumt von Palmen und Sträuchern, über einen riesigen Berg voller Müll, bis ans andere Ende des Stadtteils. Eine Bekannte vom Wolf, Sita, die an dieser Straße wohnt, lädt uns noch in ihr Haus ein, später gibt es dann sogar noch Abendessen und ungefähr 20 Kinder sizen zu jeder Zeit zu unseren Füßen, um offiziell das Fernsehen und inoffiziell uns anzuschauen. Zum Abschied gibt's ein Küsschen von Sita - auf den Mund, und in diesem Teil der Stadt nach Einbruch der Nacht leider keine Taxis mehr. So stehen wir im Dunkeln an einer einsamen Straße (wir haben ja einen Beschützerhund dabei) und Wolf telefoniert seine Taxifahrerbekannten ab, ob denn einer noch im Einsatz ist. Und er findet tatsächlich einen, der nur eine Viertelstunde später bei uns ist. Na das nenn ich Service. Und weitere 15 Minuten später sind wir zurück in Rosely´s Wohnung, wickeln und stillen das Baby in den Schlaf und folgen ihr bald darauf auch ins Land der Träume.

Santiago
Mi, 14.3.

Die Nacht war gut, der Morgen ist ruhig geplant. Wir durchforsten Rosely's DVD-Sammlung und schauen uns den Film "Groundhog Day" (täglich grüßt das Murmeltier) an. Für die Technik-Verliebten: Es gibt verschiedene Zahlen (region code), die verschiedenen Weltgegenden entsprechen - damit die DVD-Hersteller mehr verdienen. Eine DVD passt also nur in einen bestimmten Player, der in der selben Gegend gekauft wurde. Das Problem kann man nicht umgehen, außer wenn man einen Computer mit einem Programm wie VLC media player zur Hand hat.
Zum Mittagessen sind wir dann beim Wolf verabredet. Doch der scheint sich den African Way of Life schon angewöhnt zu haben und ist gleich mal gar nicht da, als wir bei ihm ankommen. Um die Zeit zu überbrücken gehen wir in ein Internetcafé ("Bocas" - Münder), gleich unten an der Straße, wo wir eine Stunde Internet kaufen, eine Halbe bekommen und ausserdem das Versprechen, wenn wir später wiederkommen noch die restliche halbe Stunde einlösen zu können. Als Wolf danach immer noch nicht da ist, lernen wir einen kapverdischen Arbeitstag kennen. Während wir nämlich warten kommt jemand aus der Nachbarwohnung, unterhält sich ein bischen mit uns und lädt uns dann ein, bei ihr zu warten. Wie sich herausstellt ist dies aber keine Wohnung, sondern ein Architekturbüro mit 3 Mitarbeitern. Unsere Einladerin hat in ihrem Zimmer nur den Fernseher laufen und beschäftigt sich ausgiebig mit Flo, im Nebenzimmer hat eine Frau den PC zwar an, aber es läuft eine Action-DVD und am 3. Schreibtisch sitzt tatsächlich ein junger Mann und zeichnet Baupläne. Kein Wunder also, dass die meisten Häuser hier gar nicht erst fertiggebaut werden. Nach einer Weile ist Wolf dann auch zuhause, und die Männer verziehen sich erstmal vor den Computer während das Baby seine Mutter in Schach hält. Später gehen dann Tina und Wolf zusammen einkaufen, nicht irgendwo sondern bei Calu & Angela, dem größten und besten Supermarkt, den es auf Kapverde gibt - sagt der Wolf. Was nicht allzuviel heißen will, es ist halt wie ein normaler deutscher Supermarkt, nur mit mehr Kram, und es gibt kein Müsli und Schokolade schonmal gleich überhaupt gar nicht. Dafür aber Plastikgartenstühle, Töpfe und Handtücher.

Unterdessen hütet Christian die Flo, und da die Mutter beim Einkaufen länger braucht als erwartet, nur mit mäßigem Erfolg. So wird dann nach Rückkehr das Baby gleich bettfertig gemacht, die halbe Stunde im Internetcafé eingelöst, das Tagebuch online gestellt und dann geht's nach Hause und ziemlich gleich auch ins Traumland.

Santiago
Do, 15.3.

Heute ist das Baby leider etwas kränkelnd. Laune ist ok, Fieber hat sie auch nicht, aber Durchfall. 3 Windeln und ihre Wickeldecke macht sie uns allein vor dem Mittag dreckig. So machen wir halt einen ruhigen Tag zuhause, gucken eine DVD, zum Mittag ist dann auch Wolf hier, der tausend Ideen für seine Website hat, und wir verabreden uns für abends, um beim Wolf zu kochen. Rosely hat uns nämlich darauf hingewiesen, dass wir bei ihr lieber nicht kochen sollen, weil kein Wasser da ist, und unser Stolz ist zu groß, als dass wir Christino in die Küche schicken würden, wenn wir mal Hunger haben (was übrigens öfter mal passiert, da Rosely auf Diät ("FDH - friss die Hälfte") ist und nur Mittags richtig isst).

Also gehen wir abends nochmal an den Strand, es gibt wieder Fogo bei Sonnenuntergang und um 8 finden wir uns beim Wolf ein. Es werden Nudeln und Gemüsesauce gekocht, das Baby in den Schlaf gestillt und pünktlich zum Essen tauchen auch Claudia und Alfama, ihr Freund, auf. Es wird ein sehr netter Abend, bei gutem Essen und Gesprächen. Alfama ist erstaunt dass man auch von vegetarischem Essen satt werden kann. Kulturinfo: Cholesterin-Probleme löst man hier mit konstanten Fleischkonsum bei zusätzlichem Essen von gerösteten Maispulver mit Zucker und Wasser. Mmh, oder doch nicht?! Wir probieren es lieber nicht.