Urlaub in Kapverde Tag 34-36

Veröffentlicht am 27. March 2007.

Brava
So, 25.3.

So wachen wir am nächsten Morgen, vom Wecker aus dem Schlaf gerissen, sehr müde und einigermaßen missgelaunt auf. Gogo fühlt sich unglaublich dreckig und klebrig, so dass er eine Dusche nehmen MUSS. Da die Stadt kühl im Nebel liegt und das Wasser aus einer Bergquelle kommt, eine Angelegenheit zum Zittern. Besonders gemein: gerade eben sind die Straßenlaternen ausgegangen, aber der Boiler war offensichtlich in den letzten Tagen immer ohne Strom.
Frühstück gibt's um 8 Uhr. Gute Brötchen und Kaffe versöhnen uns wieder ein wenig mit der Welt. Jetzt müssen wir aber nachdenken, die Fähre nach Fogo fährt erst am Dienstag, hierbleiben wollen wir auf keinen Fall. Wir gehen also erstmal raus in die Stadt, um jemanden zu fragen, ob es nicht vielleicht doch ein anderes Hotel gibt. Und wir haben Glück. Gleich nebenan an der Kirche treffen wir auf eine junge Frau namens Lena, die erst mit dem Baby spielt und als wir ihr unser Problem schildern, meint sie hätte da eine Tante in der Nähe, die ein Zimmer frei hat. Nicht nur, dass das Haus einem Östereicher gehört, er ist auch noch der Weihnachtsmann - so nennen ihn jedenfalls alle in der Stadt, weil einen langen weißen Bart hat. Wir gehen also sofort gucken und Oh Wunder - die Tante spricht ganz gut deutsch und die Zimmer riechen nur ein bischen schlecht und sind auch ein bischen billiger (2100 ECV mit Frühstück). Nehmen wir doch. Nur der Weihnachtsmann hat sich noch nicht gezeigt.

Zurück zu Paulo: jetzt ist auch der Strom wiedergekehrt, was Tina dazu nutzt, sich warm zu duschen und sich das erste Mal diese Woche mal wieder die Haare zu waschen, dann packen wir zusammen und ziehen zu Lena's Tante und schreiben dieses Tagebuch. Später gehen wir wieder zu einem Fußballspiel, diesmal in einem Ort, der übersetzt "Unsere Frau vom Berg" heißt. Wir laufen mit Flo im Tuch und alle Nase lang müssen wir anhalten, weil kapverdische Frauen unsere Flo bestaunen oder weil wir nach dem Weg fragen müssen. Als wir keine Lust mehr zum Laufen haben, kommt praktischerweise ein Auto der CVTelekom vorbei und nimmt uns kostenlos mit. Zu Fuß braucht ein Kapverder für den Weg ca. eine Stunde, aber wir hätten ganz sicher mehr als 2 gebraucht.
Wir sind kurz nach 2 da und haben schon ein schlechtes Gewissen, weil das Spiel 14 Uhr anfangen sollte - aber als wir den Betonplatz gezeigt bekommen, ist kein Mensch da - außer Paula, die uns Flo für die nächsten 1½ Stunden abnimmt . Also kaufen wir uns frische Erdnüsse und mapfen - das Spiel beginnt 16 Uhr, als endlich beide Mannschaften eingetrudelt sind. Einige Zeit später wird Schlomi weinerlich und wir verabschieden uns, ohne Belmiro spielen gesehen zu haben.
Tina & FloWieder haben wir Glück, denn als wir ein Stück gelaufen sind, treffen wir unseren Banditen-Fahrer vom Dienstag. Der nimmt uns kostenlos mit nach Vila (immerhin haben wir ihn für ein ganzes Jahr bezahlt) und wir sind rechtzeitig zu Hause, um Omas zweiten Versuch, mit mir zu telefonieren, glücklich ausgehen zu lassen. Abends gibt's dann endlich wieder so viel zu essen, dass wir gar nicht alles schaffen, und lecke rist es obendrein - Reis, Salat, Kartoffeln und gekochte Papaya - was für ein Genuß!!!

Brava
Mo, 26.3.

Wir bekommen ein köstliches und reichhaltiges Frühstück serviert. Strom gibt's schon seit gestern abend nicht mehr, und wir sind heute faul und setzen uns irgendwohin und lesen SPIEGEL von 2002. Ein Spaziergang in die Stadt zur Mittagszeit endet traumatisch, so bleiben wir dann lieber noch ein bischen mehr im Haus, lesen und als es am Nachmittag wieder Strom gibt, beschließen wir unseren Gang zum Fährbüro mit der Suche nach einem Internetcafe zu verbinden. Das klappt nur teilweise, denn im Gegensatz zu unserer Vermutung macht das Büro 15 Uhr zu und nicht auf! Deshalb bekommen wir nur die Info, morgen früh um acht wieder da zu sein. Das erste vermeintliche Internet-Café hat keine Computer mehr, das zweite hat keinen Strom, und das dritte hat als einziges eine von außen erkennbare Beschriftung als Cybercafé - allerdings als schäbiges schwarzes Graffitti auf eine unverputzte Wand gesprüht. Das soll nichts heißen, denn wir können E-Mails lesen, Tagebuch hochladen und PoP spielen; das kostet uns gerade mal 0,56 €!

Abends gibt's Eintopf und zur Abwechslung auch mal wieder Strom, so sehen wir vor dem Schlafengehen auch noch eine Folge Ally.

Brava
Di, 27.3.

Frau Flo ist zwischen halb 4 und um 5 mal fröhlich (=wach) und funktioniert deswegen später nicht als Wecker. Als wir die Augen aufschlagen ist es bereits halb 10. Gogo hastet mal eben schnell zum Fährbüro, um zu fragen ob wir die Fähre vielleicht noch schaffen könnten, aber keine Chance. Allerdings geht morgen früh nochmal das selbe Schiff, wir müssten dafür um 9 am Hafen sein. Na dann bleiben wir eben noch einen Tag länger.
Tina über VilaJetzt wird erstmal in Ruhe gefrühstückt. Später machen wir uns dann auf den Weg nach Mato Grande, ein kleines Dörfchen in der Nähe, in dem Cedalia's Mutter lebt. Wir hatten uns von Wolf überreden lassen, sie zu besuchen. Auf der normalen Straße wäre der Weg ziemlich lang, bestimmt 3 Stunden Fußmarsch für uns, aber uns ist das gerücht zu Ohren gekommen, dass es auch eine Abkürzung, einen Trampelpfad geben soll. Und wir werden fündig. Nur in eine kleine Seitenstrasse einbiegen und schon windet sich vor unseren Augen ein kleiner hübscher gepflasterter Weg den Berg hinauf. Eine Menge Kletterei, immer bergauf an Palmen, Blumenbüschen und Ziegen vorbei, und mehrmaliges Familie in Mato Grande Durchfragen bringen uns schließlich nach nur 90 Minuten ans Ziel. Cedalias Mutter lebt in einem kleinen Häuschen neben der Schule, zusammen mit einer Nichte (?) und ihren 2 kleinen Töchtern, von denen die kleinste grade mal 9 Monate alt ist. Cedalia's Mutter freut sich wie verrückt, erzählt viel in Crioulo (wir verstehen natürlich nicht mal die Hälfte) und ihre Nichte zeigt der Tina endlich ganz genau, wie eine Afrikanerin ihr Baby ins Tuch einbindet. Denn unsere deutschen Wickeltechniken kennen sie hier nicht - stattdessen wird ein quatratisches Tuch um das auf dem Rücken liegende Kind gelegt und vorn mit je einem Knoten über und unter der Brust geschlossen.
Außerdem sehen wir einen anderen Teil Afrikas: das jüngste Kind im Haus sitzt schon, kann aber noch nicht krabbeln. Plötzlich fängt sie an zu pullern und hat aber nur einen Body und keine Windel an. Dann fängt sie an zu wimmern, kann aber nicht aus ihrer Pfütze auf dem Betonboden flüchten. Die Mama kümmert's scheinbar nicht, stattdessen ist die Kleine voller Fliegen und Dreck - denn der Innenhof ist auch der Futterplatz für eine Katzenfamilie, die Tierinnereien zu fressen bekommen. Es ist schon merkwürdig, mit wie viel Mitgefühl kapverdische Frauen mit Flo und auch eigenen Kindern spielen und sie dann später einfach ignorieren.
Nach 2 Stunden machen wir uns, begleitet von den besten Wünschen, wieder auf den Heimweg. Dieser dauert dank Gravitation auch nur eine Stunde, zwischendurch füttern wir noch einen Esel mit Keksen, aber Schlomi kriegt von alledem nichts mit, weil sie den gesamten Heimweg über friedlich im Tuch an Mamas Brust schlummert.