Cuando

Veröffentlicht am 13. October 2002.
Martin, du willst schon wieder ein Bild vom Sonnenuntergang in Angola machen? Ja, natürlich ist es wunderschön, aber ein Zimmer in meinem Gedankenhaus ist ein viel besserer Platz für eine Sammlung angolanischer Sonnenuntergänge als der Speicher meiner Kamera, oder?

Heute waren wir, ungefähr 12 Leute an einem schönen Stausee mit dem Namen Cuando, 18 km östlich von Huambo. Mit Ghettoblaster, Kühlbox und reichlich Bier, man könnte meinen, fast wie in Europa. Doch 3 Sachen unterscheiden die beiden Kontinente:
- Sobald die Musik läuft, tanzt irgend jemand
- Die mehr Loch als Straße erlaubt ganze 10 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit
- selbst am einsamsten Ort umringt einen binnen Sekunden eine Kinderschar

Vielleicht gibt es ja noch mehr Unterschiede, zum Beispiel, wie seltsam ich jeden Menschen anschaue, der nicht die gewohnte tiefbraune sondern eine weiße Haut trägt.

Und: Noch bin ich etwas schüchtern, doch irgendwie lasse ich mich natürlich auch sehr gern zum Mittanzen überreden. Jede(r) möchte mir zeigen, wie man richtig Semba, Kizenga und Dança da família tanzt. Schon eigenartig für jemanden wie mir, der bei jeder Berührung eines anderen Menschen innerlich zusammenzuckt. Wann hat mich das letzte Mal jemand bei der Hand genommen? Und nicht nur wörtlich, jeder versucht mir zu helfen, vor allem für die Hilfe beim Portugiesisch bin ich sehr dankbar.

Grüße an alle in der Heimat, ich habe euch nicht vergessen. Es ist nur nicht jederzeit möglich, jemanden anzurufen. Hier braucht man Gedult. Ich hoffe aber doch, dass morgen das Telefon funktioniert. Vielleicht ja auch das Internet? Und vielleicht kommen ja auch ein paar der Briefe, die ich zu euch geschrieben habe, an?
Fotos