Englisch

Veröffentlicht am 16. October 2002.
Gerade sind zwei Kiddies von Cidadela das Crianças hier mit mir in unserem Küchenhaus, so niedlich, schüchtern. Kein Wunder, sitze ich doch hier vorm Computer und höre Enya, und Kopfhörer, auscultadors, sind ja hier so wie in Europa fliegende Untertassen, gibt es sie wirklich? Wannimmer ich sie nicht benötige, gebe ich sie an einen Angolaner weiter. Indessen sind die beiden Kids verschwunden, spielen wahrscheinlich Fussball hinterm Haus, barfuss in löchrigen Klamotten. Cidadela sollte eigentlich Martin's Projekt sein, doch heute morgen hat er wieder Englischunterricht in EPF gegeben. Und ich auch!! War ich vielleicht aufgeregt, unglaublich. Wie als würden sie mich auffressen, die zukünftigen Lehrer, die meine Schüler sind. Die Stunde sollte Punkt 8 beginnen, und seit 6 konnte ich an nichts anderes denken. Ich möchte gern geheimhalten, was ich alles getan habe, um mich zu beruhigen, aber außer Martin hat es bestimmt niemand mitbekommen. Also bin ich zwei nach 8 in das Klassenzimmer hinein, von dem ich dachte, dass es es sein muss. Ich habe erst auf englisch, dann auf portugiesisch gefragt, ob sie denn die Klasse für den Englisch-Unterricht wären. "Nee, wir machen portugisisch", zu der Zeit waren gerade einmal 6 Schüler im Saal. Ich bin also wieder raus, dort treffe ich Anna diretora und Martin schwatzend. Anna klärt mich auf, ich war sehr wohl im richtigen Zimmer, nur die Schüler denken, dass sie frei haben, weil deren richtiger Lehrer in der Hauptstadt Luanda ist. Also schicke ich die verbliebenen 5 Schüler, ihre Mitschüler zu holen und nach zehn Minuten habe ich 20 Schüler vor mir, die mich kaum verstehen, wenn ich langsam englisch spreche, aber da müssen sie durch. Ich habe beschlossen, während des Unterrichtes kein portugiesisch zu sprechen. Und das obwohl mein Portugiesisch besser als deren Englisch ist. Aber irgendwie bin ich mit all diesen freundlichen und neugierigen Menschen sehr entspannt, zum Glück. Und die anderthalb Stunden vergehen soo schnell, wie 30 minutos.
Dreiviertel der Zeit war Fernando, einer der Profs von EPF mit im Zimmer, er wird mir sicher noch Feedback geben, hoffentlich ehrlich und nicht zu höflich. Mit Sicherheit war meine zweiter Unterricht viel besser als der Erste, und es hat mir und meinen Schülern Spaß gemacht. Ich habe Farben, Kleidung, Köperteile und Essen durchgenommen, meine Schüler wussten vorneweg kaum etwas, doch nächste Woche werde ich sie testen. Und noch mehr Interaktivität in den Kurs zaubern, mit Streichholzschachteln werfen, Catch my matches! May I have your matches? Jaja, nur schade, dass diese Klasse erst nächsten Mittwoch wieder Englisch-Unterricht hat.

Und jetzt werde ich wieder den (portugiesischen) Materialen zur pädagogischen Werkstadt, einem Projekt, das ich mit ein paar Lehrern von EPF in Caála beginnen werde.
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