No, I'm Busy

Veröffentlicht am 18. December 2002.
Ja, gab es doch Zeiten, in denen ich mich über zu wenig Arbeit beschwert habe, jetzt ist es das Gegenteil. Ich nutze die wenigen Minuten, die ich jetzt hab, bevor Satchimbiali wiederkommt und seinen Text über König Utondossi II von Bailundo mit mir vervollständigt. Also, der Endjahresstress hat mich eingefangen, ich musste meine Englisch-Abend-Klasse absagen, denn die Damen projectleaders Anna und Birgit sind im Stress, im Büro in der Stadt kein Strom (hallo Oma, das ist dort, wo Theresa, mit der du gesprochen hast, arbeitet), also sind plötzlich ganz viele Computer in Quissala und viele geschäftige Menschen schreiben Berichte und Abrechnungen und Photoalben und alles, was vor Weihnachten 'raus muss. Dabei ist es doch des Jahres, in der man sich besser entspannt, und der gleißend helle Mond lädt zum Träumen ein. Ich habe mir unterdessen eine Schale mit gebratenen Nudeln, Bohnen, Paprika, Möhren und Weißkraut zubereitet, und werde diesen netten Mix in meinem kerzenbeleuchteten Haus geniesen. Und wie gut, dass mein Computer einen Akku hat.

Freitag, das Wochenende, Weihnachten. Ich kann es kaum erwarten. Freitag, weil ich entweder mit Negrina Schluss mache (sie hat Martins Geld geklaut) oder von ihr positiv überrascht werde. Außerdem will sie das Ergebnis vom Aids-Test bringen, und ein bisschen ängstlich um sie bin ich schon. Doch irgendwie kann ich auch gar nicht erwarten, das ADPP-Projekt wieder durch die große Stadt zu ersetzen, Freunde treffen. Hier gibt's auch viele nette Leute, aber eben auch neuerdings gaaanz viel Arbeit. Deshalb sind die Nächte kurz und die Abende (gähn) um so länger.

Ich kann nicht wirklich sagen, dass ich Probleme mit dem Portugiesischen habe, doch manchmal wünschte ich doch, es ein bisschen besser zu sprechen, oder dass die anderen Englisch ein bisschen besser verstehen. Denn gerade mein Computerwissen kann ich irgendwie kaum vermitteln. Dabei würde ich doch gern ein bisschen Grundlagen und Wichtiges für Afrika unterrichten. Ich habe mich für einen Computerkurs in Huambo zur Verfürgung gestellt, da gibt es auch ein bisschen Geld zu verdienen, und ADPP zahlt wirklich saumaessig. Indessen ist alles anderthalb Mal so teuer wie im September. Und außer Essen reicht das Geld für fast nix. Dabei würde ich gern zumindest ein Laken und ein bisschen Fensterglas und vielleicht auch neue Kopfhörer kaufen. Radio wäre auch toll, doch - nicht übertreiben.

Und liebe Familie, vermisst mich nicht zu dolle, ja? Wenn ich könnte, wär' ich bei euch, doch ich freue mich trotzdem riesig auf's Fest. 24ster: Essen mit den Brancos in Quissala (mit Monika, buää), 25ster in town mit der nettesten Gastfamilie der Welt. Und mal sehen, wann Martin endlich den Abflug schaft.

Ein Foto von Negrina gibt es in der Galerie.