Wanderung

Veröffentlicht am 29. December 2002.
Ein bisschen erschöpt bin ich jetzt, nach der Wanderung.

Doch von vorn. Eigentlich ist ja Sonntag, also sollte ich doch ein bisschen länger schlafen als bis 6. Doch genau dann klopfen die beiden Wächter an meiner Tür, ich drehe mich verschlafen um und schon sind sie verschwunden, ich werde wohl nie erfahren, was sie mir zu sagen hatten. Ich beschließe, dass es eine gute Zeit zum Aufstehen ist und verspeise alle Mayonaise und auch alle Zwiebeln. Wir haben ja auch nichts anderes. Und weil es gerade so kühl und ruhig ist, beschließe ich, gleich loszuarbeiten. Im Computerraum, Birgit's Laptop reparieren. Dann das Zip-Laufwerk, dann einen Laserdrucker, dann einen 486er. Nun, alle werden auf angolanische Art geflickt. Zumindest habe ich ein Voltmeter. Natürlich habe ich keine Zeit für mich, Birgit drängelt. Es ist schön, geschäftig zu sein, aber ist auch schön, faul zu sein, denne Punkt 12, der Diesel für den Generator ist alle. Also gibt's ein leckeres Essen, die Studenten Maniokmaismehlbrei (Funji) mit Thunfisch, die Vegetarier Kartoffel mit Zwiebel, Möhre und Spaghetti. Mit Öl superlecker.

Martin hat den ganzen Morgen mit Zeichnen verbracht, schöne Bilder mit Wachsstift, Auftragswerke für Birgit. Aber er denkt das gleiche wie ich, es ist Zeit für Sonntag, also lädt er mich zu einer Wanderung in die Eukalyptus-Wälder von ADPP ein. Der Schatten und das saftige Grün sind eine Wohltat. Einatmen, frischer Eukalyptus-Duft. Doch Konzentration, es gibt Schlangen. Giftgrüne und schwarze, die längsten 1½ m lang. Doch die Größe ist ziemlich egal, denn der Biss töten so oder so. Doch ein kräftiges Auftreten beeindruckt und animiert zur schlagartigen Flucht oder zum sofortigen Erstarren. Und überhaupt, es sind in letzter Zeit mehr Leute von Blitz getroffen als von Schlangen angeknabbert worden.
So laufen wir, vorbei an Maniokfeldern, neben vielen kleinen Rinnsalen und kleinen Teichen, und es wirklich heiß. So genieße ich es, die Schuhe mit den Händen zu tragen und den Füßen Wasser zu spendieren. Nach einer Weile wird der Kanal neben uns tiefer, seine Wände steiler. Der Weg, bis jetzt nur von riesig hohem Gras und 5 m hohen Maispflanzen umgeben, droht zu verschwinden. Wir geben nicht auf und kämpfen uns vor, bis sich plötzlich eine Schlucht vor uns auftut. Eigenartige Erde bildet hier die merkwürdigsten Formationen, die Vegetation ist einfach unglaublich schön. Es ist bis auf fernes Grillengezirbe mucksmäusschenstill. Als plötzlich ein Frosch ein einzelnes Quaaackackack von sich gibt, erschrecke ich fast. Riesige kunterbunde Libellen schweben über den Wassertümpeln.
Seele baumeln lassen, das ist Sonntag.