Fim da Semana

Veröffentlicht am 9. February 2003.
Gestern war ein fauler Tag, und das wichtigste Ereignis war denn wohl die Eröffnung des ADPP-Ajuda ás Criancas-Centers, einer Vorschule mit angeschlossenem AIDS/Malaria-Test und Konferenzzentrum zur Organisation verschiedener Aktivitäten mit den lokalen Gemeinden. Und dafür kommt dann auch Janette aus den USA, sie wird dort zusammen mit unseren Angolanern abreiten. Und wie so eine Eröffnung in Angola abläuft, kommt jetzt: Warten auf die Stammesvertreter, warten auf TPA, dem angolanischen Fernsehen, auf die Vertreter der Regierung, auf deren Stellvertreter und so weiter. Natürlich gibt es eine Zeit auf der Einladung, aber die wird nur von den immer noch nicht eingelebten Weißen (ich war da, und Birgit) beachtet, alle anderen kommen 1-2 Stunden später, und niemand entschuldigt sich, denn es ist normal.
Als es endlich losging, gab es als Erstes den entscheidenden Scherenschnitt, dann eine Führung durch die eingeweihten Räume. Meine Aufgabe war journalistisch: Bilder schießen mit Birgits 3-Kilo-Spiegelreflex und das - nun nicht sooo atemberaubende Ereignis unvergesslich und wohldokumentiert zu machen. Plötzlich sitzen alle an der gedeckten Tafel im Konferenzsaal, sogar Fernando von OCHA, den ich noch nie in Quissala gesehen habe, ist da. Es gibt Pfannenkuchen und Kissangua und Champanger (Aha, in ADPP!) und 7-up und GumPens. Nun, letztes kann ich nicht unerklärt lassen: Woher auch immer, hier in Quissala gibt es jetzt zu jedem Anlass einen Kugelschreiber mit Kaugummi und Licht für jeden! Und egal welches Alter, die Angolaner finden's einfach total toll. Wäre es nicht etwas peinliches, wenn jemand in Deutschland zur Einweihung Kulis mit Kaugummi verteilt? Erst recht eigenartig, wenn die Chefin anschliesend Zaubertricks vorführt...es ist hier eben ein bisschen unverkrampfter.

Jetzt sitze ich wieder in der Wohnung von Guito, doch viel Zeit habe ich nicht mehr. Das ist aber auch nicht schlimm, nächste Woche komme ich wieder und jetzt gehe Arminda von der Bäckerei besuchen. Und es wirklich wichtig für mich, nicht in Quissala zu bleiben, denn gestern ist es mir ziemlich deutlich geworden, dass Quissala Arbeitsplatz ist. Ich habe es des Abends nicht geschafft, allein in meinem Büro zu sein, weil ständig irgendjemand irgendeinen Wunsch hat und auch wenn es alles nette Leute sind, brauche ich doch auch ein bisschen Zeit für mich. Und die habe ich in meinem Büro nicht.