Valentinstag

Veröffentlicht am 16. February 2003.
ein Blick in der Nähe der Überschrift beweist es: Dieser Eintrag wurde am 16. Februar geschrieben. Das ist ja schon eine ganze Weile zu spät für Valentine. Aber ich bin nicht besonders wach, weil ich bis gestern spät in der Nacht auf dieser Party war, die irgendwann am 14. begonnen hat. Natürlich bin ich erst morgens am 15. dazugestoßen, als nur noch das echte Party-Volk in Arlettes Haus war. War nett nett. Noch der folgende erklärende Zusatz: Ich bin schon seit einiger Zeit wieder solo, ohne special someone. Aber das fühlt sich total stressfrei und entspannt an, ob (s)ich das änder(t), bis zu meiner Abreise?

Gestern morgen war ich mit den Dinda, Adriano und Nirinha in der Adventisten-Kirche. War aber nur mittelmäßig: Negativ die Akustik, ich konnte nicht viel verstehen und das ständige Übersetze von und zu Umbundu nervt. Mittendrin kamen plötzlich viele alte Männer in die Kirche, haben sich zwischen die unmöglich eng hintereinanderstehenden Bänke gequetscht und haben ihren Unterricht begonnen. Zu meiner Enttäuschung aber nichts praktisches, sondern Theologie und Bibelinterpretationen. Und Geld wollen sie ständig, 3x pro Gottesdienst von allen und spezielle Personen geben öfter. Normalerweise gebe ich gern, denn die anderen Kirchen haben hier in Huambo soziale Projekte. Doch die Adventisten, die hier in Angola wirklich zahlreich sind, haben nur (teure) Theologie-Seminare.
Sehr schön war das Sich-Begrüßen nach dem Gottesdienst: Nachdem alle die Kirche extrem geordnet verlassen haben, begrüßen sich alle Freunde gegenseitig. Und auch ich kannte einige Leute (nur dass ich mir im Gegensatz zu ihnen deren Namen meist nicht merken kann. Ansonsten sind alle wahnsinnig herausgeputzt und man könnte glauben, dass sie Angst haben von Gott in normalen Klamotten nicht akzeptiert zu werden. In Bailundo habe ich mal jemanden getroffen, der sehr verwundert war, das in Deutschland Secondhand-Klamotten in der Kirche gar nicht üblich sind. Doch hier kommen alle in Abendkleid und Jackett, manche mit DB-Logo und manche mit dem dänischen Postsymbol.
Adriano hat die Kirche eher verlassen, er sieht die Religiosität seiner Freundin als einer ihrer nervenden Seiten. Nur schade, dass er statt dessen des Alkohols wegen zu Arlette gegangen ist und meinen Computer ohne zu fragen mitgenommen hat. Naja.

Heute habe ich nicht nur von Anna ein Frühstück bekommen (nachdem ich Adrianos bezahlt habe), sondern auch von Birgit ein zünftiges dänisches Mittagessen: Bratkartoffeln mit Würstchenschnipseln und Chicoree-Salat. Und umgezogen wurde ich, Tische und Stühle aus meiner Küche sind schon in meinem neuen Haus nahe Cidadela. Leider mag ich aber das Haus nicht besonders, und die neuen DIs werden ihre ganze Zeit da verbringen. Also nichts mit 2 20 m² Häuser ganz für mich allein. Am Donnerstag kommen die Amerikaner. Und die Mama, die gerade mit Ulla und Oma vom Ski- und Snowboardfahren zurückkam, hat mir Franks Ankunft für Samstag angekündigt. Doch für mehr als 35 Sekunden hat das Geld nicht gereicht: 12 $. Nun, wäre es nicht richtig schön, mal ein bisschen länger zu sprechen? Am Dienstag werde ich versuchen, einen von euch Dresdnern Arlettes Nummer zu geben, sodass ihr mich zurückrufen könnt. Nur ist ihr Haus ziemlich weit vom Blutsaugeramt Angola Telekom entfernt, aber ich werde es schon erreichen wenn nicht wie immer
Es regnet jetzt nachmittags und nachts fast ununterbrochen, einmal täglich auch mal SEHR heftig. Und bis auf die Kühe flüchten dann alle Lebewesen zu einer trockenen Stelle, die Straßen verwandeln sich in brodelnde Flüsse und gefährlich tiefe, braune Seen. Zu meinem Glück ist Angola Telekom unter diesen Bedingungen fast leer, ohne Wartezeit!! Aber dafür ist es unmöglich, ohne Nebenwirkungen bis zu Arlettes Haus zu kommen.

Für Franks Übernachtung habe ich bis jetzt drei Ideen:
Im Hotel gegenüber dem Markt in der Unterstadt, mit vergleichsweise luxuriösen Bedingungen und entsprechenden Preisen.
In Dindas Haus. Nirinha und Dinda sind schon ganz aus dem Häuschen und die Idee ist ziemlich verrückt, denn in diesem sympathischen Haushalt, der ja auch gleich neben der ADPP-Residência (Transport nach Quissala) und in der Nähe des Roten Kreuz (die haben Funkgeräte zum mich rufen) zu finden ist, spricht keiner wirklich englisch, aber alle wollen es lernen. Da können sich Frank und Nirinha gegenseitig interessante Sprachen beibringen...
In den preiswert-und-guten Unterkünften von ADRA, einer der vielen Hilfsorganisationen, die hier in Huambo arbeiten. Allerdings muss ich mir die selbst erst anschauen, aber mit Sicherheit gibt es dort auch Leute mit Radio. Karlito, dem ich heute erfolgreich die Daten von seinem defekten Computer gerettet habe, arbeitet für ADRA und wird alles Notwendige in die Wege leiten.

Ach so, das Telefon geht natürlich immer noch nicht.