15 Tage

Veröffentlicht am 3. March 2003.
Liebe Tagebuchleser und -leserinnen,
ich möchte hiermit über die vergangen 15 Tage berichten, denn ohne Übertreibung darf ich die letzten 2 Wochen als die speziellste Zeit meines Aufenthaltes in Angola bezeichnen.

Jetzt
Ich sitze bei Arlette im Haus, laute Kizas, zwei Kids sitzen ganz ruhig mit auf meinem Sofa und beobachten meine Schreiben.

Berufsleben
Nun, heute, und das werde ich vielleicht bereuen oder auch nicht, heute habe ich meinen Probeinformatikunterricht zum Programm "PowerPoint" im Roten Kreuz sausen lassen, aus verschiedenen Gründen. Weil ich unterrichten nicht mag. Weil ich Arlette mag und die in Luanda wohnt. Damit habe ich meine wahrscheinlich einzige Sofort-Chance auf Arbeit in Huambo vertan. Aber das ist nicht so schlimm, denn ich kann ja auch selbstständig arbeiten, mit Adrianos Idee. Wenn ich wiederkomme.
In Quissala arbeite ich gar nicht gern, denn da schaffe ich ja eigentlich gar nix. Trotzdem werde ich morgen nach langer Zeit (eine Ewigkeit?) in der Stadt wieder dort sein. Wahrscheinlich werde ich hauptsächlich mit Chriss, meinem Nachfolger aus den Staaten quatschen, aber das kann ich als Einarbeitung abbuchen.
Außer Chriss, der in EPF (Lehrerfakultät) arbeiten wird, ist auch schon Watson aus Kanada angekommen, er wird in Cidadela mit den Waisenkindern arbeiten. Jeanette hat heute wieder mal eine Mail geschrieben, sie wird vermutlich Mittwoch zu uns losfliegen.

Frank
ist endlich in der Gegend. Seit vorletzten Samstag schon. Da ich aber seine Mail nicht bekommen hatte, war ich (zum ersten Mal) auf einer dieser NGO-Parties, in Giovanis Haus, mit Arlette natürlich. Anschließend Disko. Wie merkwürdig, ich bezahle keinen Pfennig....später erfahre ich, dass Arlette auch da wie immer bezahlt hat. Schon komisch, das alles spielte sich in Franks Nähe ab und ich wußte nichts von seiner Nähe. Mmmh. Am nächsten Morgen gehe ich zu ADPP Residência, um dort Transport zum Flughafen zu organisieren, denn eigentlich sollte Frank Sonntag kommen. Dort erfahre ich, dass er schon da ist und die letzten 24 Stunden im Konjevi, dem zweitluxoriösten Hotel der Stadt verbraucht hat. Ich hole ihn ab, führe ihn in Dindas Haus. Dort sind alle aus dem Häusschen und wir stillen unseren Hunger. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wie verrückt es ist, seinen Papa durch die huambianischen Straßen zu führen. Angola!! Und er spricht kein portugiesisch. Und ich quatsche andauern mit irgendjemandem. Übersetze. Erkläre. Für ihn ist alles fremd, für mich ist es Heimat.
Wir werden von allen total nett aufgenohmen, alle möchten ihn kennenlernen, alle haben ein paar Fragen. Nun, nachdem er am ersten Tag, Sonnabend, ganz allein am Flughafen stand, ein paar Leute angequatscht hat (sie konnten natürlich kein Englisch), war dem Abenteuerer schell nach mehr als nur dem immer-an-meiner-Seite-sein zu Mute. Damals wurde ihm übrigens letztendlich von ein paar Leute von PAM (in deutsch Welthungerhilfe? Die UNO eben) mit einem Funkgerät zum Kontaktieren von ADPP geholfen, Monika und Anna haben ihn dann im 40-Dollar-für-nichts-als-ein-Bett-Hotel einquartiert und angewiesen, das Hotel nicht zu verlassen. Ich habe den ganzen Tag keinen Kontakt zu ADPP aufgenommen, weil ich nicht mit Franks Ankunft gerechnet hatte - upsi.
Jetzt ist er wohl in Dindas Haus, zum Abendbrot. Zeit für sich nimmt er sich einfach, ich habe ihn mit genügend Freunden bekannt gemacht, und ihn genügend herumgeführt und dieser Tage geht er gern allein ein bisschen durch Huambo. Besonders heute, wo ich mit dem kompliziertem Prozess des Heimkehrens in mein Land beschäftigt war: Ich habe nach 6 Monaten immer noch kein Arbeitsvisa, obwohl ich dass ja im Juni 2002 schon beantragt hatte. Aber es ist halt nicht so einfach, den langsam mahlenden Mühlen der hoffnungslosen angolanischen Bürokratie alle notwendigen Papiere zuzuspielen. Und erst mit Arbeitsvisa kann ich das Ausreisevisa beantragen. Wie lange werde noch hierbleiben? 2 Passbilder waren nicht genug für das Visto de Saída, heute habe ich 4 weitere gemacht...

Privat?
Blendend. Die Verwirrung Arlette <-> Clarice erfolgreich überwunden, indem Clarice jetzt Chris' Freundin wird. Du siehst aus als planst du irgendetwas, hat Chris beim Verlassen von Clarice' Haus am Sonntag gesagt, und dann habe ich ihm verraten, dass ich gerade ein Date für ihn mit ihr organisiert habe. Sie mag ihn total und er ist hin und weg von ihr und so ist das auch prima, weil einfach verlassen konnte ich Clarice nicht, zumal für eine andere, Arlette, das hätte sie sehr verletzt, glaube ich.
Am Freitag habe ich Frank und Dinda (das ist die ältere Tochter aus Frank's Gastfamilie) zum Pizzazutaten-kaufen geschickt. Dann am Samstag habe ich die beiden neuen Amerikaner Chris und Watson aus Quissala abgeholt. Das war der Transportsituation wegen gar nicht so einfach, es hat 4 Stunden gedauert, statt wie geplant einer. Also waren wir nur kurz statt lange bei Clarice und sind dann weitergezogen, um ein Restaurante zu treffen. Das hat nicht so ganz geklappt, denn 400 Kz / 6 $ pro Portion in Lino's Bäckerei war uns einfach zu schwer. Nun, gut dass wir Arlette und Nando im Park getroffen haben, Nando lud uns für einige Biere (für mich Fanta nacional) und Zigaretten und gute Geschichten ein. Gemütlich in der Sonne haben wir gesessen, und das war gut denn die Amerikaner wurden von unseren polnischen Chefs Anna und Monika im Stich gelassen, sie hatten in Quissala keine Arbeit.
Den Beutel mit den Pizza-Zutaten habe ich mitgenommen, um dann in Arlettes Haus mit ihr eine sooooo leckere Pizza mit Schmelzkäse und Pilzen und Thunfisch und Oregano zu machen. Statt aber zusammen in die Disko zu gehen, habe ich die Amerikaner anschließend schon zu den Motoradfahrern bei Acricultura geführt, denn sie hatten Monika, die natürlich nicht dort war, versprochen, nachts nach Quissala zurückzukommen. Und ich kann euch sagen, es war eine Pizza voller positiver Emosion, uh. Gemeinsam kochen verbindet.