Dresdner Klimaaktivist

Sieben Minuten für Klimaschutz: Extinction Rebellion blockiert Verkehrskreuzung



Der folgende Online-Artikel wurde von Ostdeutsche Allgemeine am 28.05.2026 veröffentlicht.


Sieben Minuten für eine lebenswerte Stadt

Heute morgen habe ich mit Extinction Rebellion Dresden für jeweils sieben Minuten den Verkehr am Straßburger Platz unterbrochen. Nicht aus Freude am Stau, im Gegenteil. Sondern weil die Klimakrise längst jede Normalität unterbricht.

Während hinter uns die ehemalige Gläserne Manufaktur stand, wurden vor uns jeden Morgen tausende Quadratmeter Stadtraum fast ausschließlich für Autos genutzt. Dabei zeigt gerade der Straßburger Platz eigentlich, wie moderne Mobilität funktionieren kann: Straßenbahn, Fahrradwege, Fußverkehr — vieles ist schon da. Und trotzdem dominieren weiterhin Autos.

Sichere Radwege helfen auch Autofahrern

Mir ist wichtig: Verkehrswende bedeutet nicht „gegen Autofahrer“. Im Gegenteil. Jeder sichere und durchgängige Radweg kann dazu führen, dass weniger Menschen aufs Auto angewiesen sind. Dadurch werden Straßen freier für diejenigen, die wirklich fahren müssen: Handwerker, Pflegekräfte, Lieferverkehr oder Menschen auf dem Land.

Was mich frustriert: Diese positive Geschichte wird politisch viel zu selten erzählt.

Die physikalische Realität interessiert sich allerdings nicht für politische Kommunikationsprobleme. Die Erde nimmt derzeit deutlich mehr Energie auf, als sie wieder abstrahlt. Wissenschaftler messen diese zusätzliche Wärme in Zettajoule — unvorstellbar große Energiemengen, die vor allem in den Ozeanen gespeichert werden. Diese Energie verschwindet nicht. Sie verstärkt Hitzewellen, Dürren, Überschwemmungen und Extremwetter.

Als Physiker finde ich diese Diskrepanz schwer auszuhalten: Einerseits sprechen wir über planetare Energiemengen, andererseits streiten wir darüber, ob ein Radweg zwei Parkplätze ersetzt.

Natürlich löst eine siebenminütige Blockade die Klimakrise nicht. Aber Protest kann sichtbar machen, was sonst verdrängt wird: dass die Situation ernst ist und dass politische Entscheidungen weiterhin zu langsam getroffen werden.

Oft höre ich: „Aber China ist doch viel schlimmer.“ Da stecken echte Emotionen dahinter. Fachlich ist es natürlich komplizierter, weil ich China als brutale Diktatur und gleichzeitig beeindruckender Vorreiter bei den Erneuerbaren nicht in eine gut/böse-Einordnung bringen möchte. Die moralische Antwort ist jedoch klar: Ich bringe meinen Müll in die richtigen Tonnen, selbst wenn irgendwer in der Nachbarschaft seinen Müll auf die Straße wirft. Niemand ist perfekt. Wir sollten uns an positiven Seiten unserer Mitmenschen und Nachbarländer orientieren.

Ich wünsche mir Städte, in denen Kinder sicher Fahrrad fahren können, ältere Menschen saubere Luft atmen und öffentlicher Verkehr zuverlässig funktioniert. Das wäre kein Verlust von Freiheit. Sondern ein Gewinn an Lebensqualität.

Pressearbeit

Ich bin gelegentlich mit Journalistinnen und Journalisten im Kontakt, um zu politische Themen wie Klimaschutz und sozioökonomische Gerechtigkeit zu sprechen.

Eine unvollständige Liste von Artikeln finden Sie hier.