Ich schreib hier als Mann, damit ich selbst es nicht vergesse:
Wenn meine mir eine Frau* sagt, dass ich mansplaine, dann ist das kein Angriff, sondern ein Hinweis auf ein Machtgefälle, das ich möglicherweise gerade reproduziere. Meine Aufgabe ist, sofort innezuhalten und mich zu fragen: Habe ich gerade etwas erklärt, das sie längst weiß? Habe ich ihre Kompetenz implizit infrage gestellt? Habe ich mehr Redezeit oder Deutungshoheit beansprucht, als mir zusteht?
Natürlich schreibe ich das nicht einfach so, sondern weil ich heute einen Konflikt hatte, den ich schlimmer gemacht habe durch Fragen, die sie als Angriff gewertet hat. Durch meine Ansage, dass ihr Verweis auf ein Fachbuch nicht relevant ist - aber sie hat es natürlich genau deswegen gesagt, weil sie es relevant findet. Ich habe es scheußlich formuliert.
„Mansplaining“ bedeutet, dass meine Art zu sprechen übergriffig oder herabsetzend wirkt (auch wenn das nie meine Absicht ist). Die Wirkung auf sie zählt mehr als meine Intention.
Es ist nicht ihre Aufgabe, meine Gefühle zu managen oder mir meine Verhaltensmuster pädagogisch aufzubereiten - auch wenn ein Teil von mir in die Verteidigung gehen will oder sich eben doch wünscht, dass sie mir genau sagt, was ich tun soll.
Wenn sie verletzt oder genervt reagiert, dann möchge ich das ernst nehmen, ohne es zu relativieren. Patriarchale Prägungen sind keine abstrakten Konzepte, sondern wirken in meinem konkreten Verhalten - obwohl ich seit vielen Jahren Bücher mit feministischen Perspektiven lese. Ich habe noch viel zu lernen. Vermutlich wird es noch lange Missverständnisse und Fehlverhalten geben.
Wenn sie möchte, dass ich einfach zuhöre, dann tue ich hoffentlich genau das: zuhören, verstehen wollen, nicht kommentieren, nicht rechtfertigen, nicht erklären. Es fällt mir nicht leicht, den richtigen Moment für Fragen zu finden. Ich arbeite daran, Gesprächsräume nicht zu dominieren und ihre Expertise, Perspektive und Autonomie selbstverständlich anzuerkennen. Bei unseren wöchentlichen Zwiegesprächen nutzen wir Timer und aktives Zuhören.
All das ist keine Großzügigkeit, sondern selbstverständlich. Nicht nur Buchwissen zu feministischen Perspektiven zu haben, sondern auch mein Verhalten anzupassen fällt mir oft nicht leicht. Aus meinen Reflektionsnotizen der letzten Jahre sehe ich, dass ich immer wieder in blödes, männertypisches Verhalten rutsche. Ich habe Verständnis für eure Ungeduld, liebe Frauen*.